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Enzyklopädie der Perlen

Japa-Mala: buddhistische und hinduistische Gebetsketten (108)

Die Japa-Mala (जप माला) ist eine Zählkette indischen Ursprungs, die dem Hinduismus und dem Buddhismus gemeinsam ist. „Japa” bezeichnet die Wiederholung eines Mantras oder eines Götternamens, „Mala” bedeutet im Sanskrit „Girlande”. Sie ist eine der ältesten dokumentierten Formen der Zählkette, auf die sich die übrigen Traditionen in vielerlei Hinsicht zurückführen lassen.

Aufbau und die Zahl 108

Die klassische Mala zählt 108 Zählperlen sowie eine gesonderte, meist größere „Meru”-Perle (Sumeru, Bindu) mit einer Quaste. Die Meru wird nicht überschritten und nicht mitgezählt: Hat man sie erreicht, führt man die Kette nicht über sie hinweg, sondern dreht sie um und geht zurück – dies wahrt die Ehrerbietung gegenüber dem „Gipfel” der Kette.

Die Zahl 108 gilt in den dharmischen Traditionen als heilig, und für sie gibt es zahlreiche Deutungen – astronomische, numerische, symbolische; eine einheitliche „offizielle” Erklärung existiert nicht, und der genaue Ursprung der Zahl bleibt Gegenstand von Interpretationen. Verbreitet sind auch verkürzte Malas: mit 54 oder 27 Perlen, die man entsprechend zwei- oder viermal durchläuft; Handgelenks-Malas in Armbandform enthalten häufig 27 oder 18 Perlen.

Wie sie verwendet wird

Die Mala hält man in der Hand und lässt bei jeder Wiederholung des Mantras eine Perle durch die Finger gleiten, wobei man die Kette mit dem Daumen weiterbewegt. Ein vollständiger Kreis aus 108 Wiederholungen endet an der Meru-Perle, woraufhin man die Kette bei Fortsetzung der Praxis umdreht. In einigen Traditionen gibt es Vorschriften, mit welchen Fingern die Kette zu halten und welche Perlen zu berühren sind, doch die konkreten Regeln unterscheiden sich zwischen den Schulen.

Materialien

Die traditionellen Materialien sind von Symbolik durchdrungen. Im Hinduismus, besonders bei den Shivaiten, werden die Samen der Rudraksha („Tränen Shivas”) geschätzt; bei den Vaishnavas das Holz und die Körner der heiligen Tulasi. Im Buddhismus verwendet man verbreitet die Körner des Bodhi-Baums, unter dem der Überlieferung nach Buddha das Erwachen erlangte, sowie Sandelholz, Knochen und Halbedelsteine.

Geschichte

Frühe Spuren der Japa-Mala führen zur indischen religiösen Tradition aus der Mitte des ersten Jahrtausends v. Chr. Aus der hinduistischen Praxis übernahmen die Buddhisten die Zählkette, und mit der Ausbreitung des Buddhismus verbreitete sich die Mala über ganz Asien – daher die tibetischen, indischen, chinesischen und japanischen Spielarten (etwa die japanische Juzu). So wurde die Japa-Mala zu einem der wichtigsten „Vorfahren” der weltweiten Kultur der Gebetsketten.

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