Tasbih (Misbaha): die islamische Gebetskette
Tasbih (تسبيح) ist die islamische Gebetskette, mit der der Dhikr, das Gedenken an Gott, begleitet wird. Das Wort geht auf die Formel „Subhan Allah” („Ruhm sei Allah”) zurück. Diese Gebetskette trägt mehrere Bezeichnungen: In der arabischen Welt spricht man häufiger von Misbaha (مسبحة), in der Türkei von Tesbih, in Iran und Südasien von Subha oder Tasbih.
Aufbau
Die klassische Kette umfasst 99 Perlen – nach der Zahl der „schönsten Namen Allahs”. Sie sind durch zwei flache Markierungsperlen in drei gleiche Abschnitte zu je 33 unterteilt, die helfen, beim Zählen nicht den Überblick zu verlieren. Den Abschluss der Kette bildet eine verlängerte Endperle – der „Imam” (oder das „Minarett”) mit einer Quaste; gemeinsam mit ihr spricht man nicht selten von der Zählung „99+1”. Sehr verbreitet ist auch die verkürzte Variante mit 33 Perlen, die man dreimal durchläuft, ebenso wie kurze Ketten zum Tragen in der Hand.
Die Materialien decken das gesamte Spektrum ab – von schlichtem Holz, Knochen und gepressten Datteln über Glas, Korallen, Edelsteine, Bernstein bis hin zu seltenen Harzen. In dieser Tradition ist die Kultur kostbarer Sammlerketten besonders ausgeprägt: Die Qualität der ausgewählten Perlen, ihr „Lauf” und ihr Klang werden außerordentlich hoch geschätzt.
Wie der Dhikr rezitiert wird
Auf jeder Perle spricht man eine kurze Formel des Gedenkens. Der klassische Satz nach dem Gebet (Tasbih Fatima) lautet je 33-mal „Subhan Allah” (Ruhm sei Allah), „Alhamdulillah” (Lob sei Allah) und „Allahu Akbar” (Allah ist groß), weshalb sich die Einteilung in Drittel zu je 33 anbietet. Auf der Gebetskette rezitiert man auch andere Formeln, Namen Gottes oder Segenssprüche, indem man von Markierung zu Markierung gelangt und den Kreis am „Imam” beschließt.
Wichtig anzumerken ist: Der Tasbih ist ein Hilfsmittel zum Zählen, kein vorgeschriebener Ritus. Ein Teil der Muslime zieht es vor, an den Fingern zu zählen, wie es der Überlieferung nach der Prophet selbst tat; die Gebetskette hingegen fand erst später weite Verbreitung.
Geschichte
Zählketten gelangten in den ersten Jahrhunderten seiner Geschichte in die islamische Welt; Historiker bringen die frühe Verbreitung der Misbaha nicht selten mit dem sufischen Umfeld in Verbindung, in dem die Praxis des vielfachen Gedenkens an Gott besonders ausgeprägt war. Der Ursprung der Idee einer Zählkette selbst ist dabei älter und vielen Kulturen gemein. Heute ist der Tasbih einer der unverkennbarsten Gegenstände des islamischen Alltags: zugleich Gebetsinstrument, Gewohnheit für die Hände sowie Sammler- und Statusobjekt.