Katholische Gebetskette (Rosenkranz)
Die katholische Gebetskette – der Rosenkranz (von lat. rosarium, „Rosengarten”) – ist sowohl die Gebetsschnur selbst als auch die damit verbundene Abfolge der Gebete. Es handelt sich um eine der bekanntesten Zählschnüre des westlichen Christentums: An ihr werden Gebete wiederholt, während man über Ereignisse aus dem Leben Jesu Christi und der Jungfrau Maria nachsinnt.
Aufbau der Schnur
Der klassische Rosenkranz besteht aus 59 Perlen und einem Kruzifix. Den größten Teil bildet ein geschlossener Ring aus fünf „Zehnergruppen” (Dekaden) – Gruppen von je zehn kleinen Perlen, getrennt durch eine größere Perle. Das ergibt 50 kleine und 5 große Perlen im Ring. Vom Ring geht ein kurzer „Schweif” ab: ein verbindendes Medaillon, dann eine große und drei kleine Perlen, eine weitere große Perle und am Ende das Kruzifix.
Die Materialien sind traditionell schlicht und vielfältig – Holz, Knochen, Glas, Metall, Halbedelsteine; verbreitet sind Rosenkränze aus gepressten Rosenblättern, die auf den Namen selbst verweisen. Es gibt auch kompakte Formen: einreihige „Soldaten”-Rosenkränze als Ringe sowie Schnüre in Armbandform.
Wie man den Rosenkranz betet
Das Gebet beginnt am Kruzifix (Glaubensbekenntnis), danach betet man an den Perlen des Schweifs das „Vaterunser” und drei „Gegrüßet seist du, Maria”. Im Ring ist jede Dekade einem „Geheimnis” gewidmet: An der großen Perle betet man das „Vaterunser”, an den zehn kleinen Perlen das „Gegrüßet seist du, Maria”, während man über das entsprechende Ereignis aus dem Evangelium nachsinnt, und beschließt mit dem Lobpreis.
Die „Geheimnisse” sind in Reihen gegliedert – freudenreiche, schmerzhafte, glorreiche und seit 2002 auch lichtreiche, die von Papst Johannes Paul II. hinzugefügt wurden. Den vollständigen Kranz aus fünf Dekaden durchläuft man in einer Sitzung, wobei man üblicherweise eine Reihe von Geheimnissen pro Tag im Sinn behält.
Geschichte
Die Praxis des wiederholten Gebets nach Zählung reicht im Christentum bis ins frühe Mönchtum zurück, wo man mit Knoten und Steinchen zählte. Das Gebet „Gegrüßet seist du, Maria” und das Zählen mit Perlen bildeten sich im Mittelalter heraus; die Überlieferung verbindet die Verbreitung des Rosenkranzes mit dem Orden der Dominikaner und der Gestalt des heiligen Dominikus, wenngleich Historiker dies eher als fromme Legende denn als belegte Tatsache betrachten. Die gewohnte Form mit fünf Dekaden und einer Reihe von Geheimnissen nahm bis zum 16. Jahrhundert ihre endgültige Gestalt an.
Der Rosenkranz bleibt für Millionen Katholiken auf der ganzen Welt eine lebendige, alltägliche Praxis – zugleich Gebetswerkzeug, Gegenstand des Handwerks und persönliche Reliquie.